Rosmarin schneiden

Ein schwieriges Thema. In der Theorie ist mir klar, was ich machen muss. In der Praxis gehört eine Menge Mut dazu. Schneide ich zu viel? Zu wenig? Zu früh oder doch schon zu spät? Letztendlich muss ich mich einfach trauen. Im schlimmsten Fall, scheitere ich. Im besten Fall, habe ich den ganzen lieben Sommer lang ein fein schmeckendes Gewürz.

Doch scheitern möchte ich wirklich nicht, denn ich liebe meinen Rosmarin-Strauch auf meinem kleinen Stadtbalkon! Er ist mir wirklich schon ans Herz gewachsen und ich möchte ihn auf gar keinen Fall verlieren. Ich liebe ihn ja auch nicht nur oberflächlich aufgrund seinen guten Aussehens, sondern auch, weil er gut riecht und sogar im Winter durch sein Immergrün meinen Balkon belebt. Und seine aromatischen Nadeln verwende ich nur zu gerne in meiner Küche! Doch eben durch letzteres wirkt er nun schon etwas schief geraten 🙂

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Der richtige Zeitpunkt

Da Rosmarin zum Verholzen neigt, wollte ich ihn jetzt im Frühjahr kräftig (und in Form) zurückschneiden. Das mit dem richtigen Zeitpunkt ist etwas tricky. Ist man zu früh, riskiert man, dass beim nächsten Frost die neuen Triebe erfrieren. Ist man zu spät, hat der Rosmarin bereits kräftig ausgetrieben und man schneidet zu viel der jungen Triebe weg. April ist generell ein guter Monat für einen Rückschnitt. Befürchtet man in den nächsten Nächten jedoch noch Frost, sollte man lieber noch etwas warten. Spätestens Anfang Mai heisst es aber: ran an den Schnitt!

Da die nächsten Tage bei uns sehr schön werden sollen und mein Rosmarin bereits angefangen hat zahlreich auszutreiben, habe ich mich am letzten Wochenende dann getraut. Die beste Tageszeit dafür ist übrigens der späte Vormittag beziehungsweise Mittag, was mir als Langschläfer entgegen kommt 🙂

Doch trauen musste ich mich wirklich was, denn beim Frühjahrsschnitt greift man in die Vollen. Die ersten paar Zentimeter meines Rosmarins haben schon keine Nadeln mehr, die Zweige sind bereits verholzt. Dann setzen die zahlreichen grünen Nadeln an und enden in den jungen frischen Trieben.

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Der richtige Schnitt

Auf gar keinen Fall ins alte Holz schneiden! Das verletzt die Pflanze und sie treibt im schlimmsten Fall nicht mehr aus. Ich habe jeden einzelnen Zweig im grünen Bereich geschnitten, etwa 2-3 cm über dem alten Holz. Dadurch steht der Rosmarin auch nach dem Schnitt noch grün da und ist hübsch anzuschauen. Zugegeben, meiner ist jetzt immer noch nicht so rund, aber Symmetrie wird eh überbewertet. Ausserdem wollte ich vereinzelt noch neue, frische Jungtriebe stehen lassen…
Hoffen wir mal, dass das gut kommt…

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Beim Schnitt habe ich auch gleich noch den Moment genutzt und überprüft, ob mein Rosmarin denn Krankheiten hat. Weisse oder gelbe Flecken sind ein Anzeichen dafür und sollten behandelt werden. Hat er nicht, Glück gehabt! Durch den Erziehungsschnitt ist er jetzt gut ausgelichtet, wodurch wieder Licht und Luft die inneren Zweige erreicht. Dann habe ich noch die vertrockneten und welken Zweige entfernt und fertig ist der Rückschnitt.

Das richtige Giessen

Nach dem Rückschnitt schenke ich ihm ordentlich ein. Dadurch, dass überflüssiges Wasser bei mir sowieso ablaufen kann und ich eine Drainage im Topf habe, muss ich keine Staunässe befürchten. Generell muss man Rosmarin, der im Garten eingepflanzt wurde, nur an wirklich heissen Sommertagen giessen. Rosmarin im Topf dagegen braucht regelmässig Wasser, damit er nicht verdurstet. Mein Rosmarin bekommt immer dann etwas zu trinken, wenn sich die obere Schicht der Erde bereits abgetrocknet anfühlt. Das hat sich bisher eigentlich ganz gut bewährt. Dafür giesse ich dann wieder ordentlich an, so dass das Wasser unten raus läuft.
Übrigens: während die meisten Pflanzen Regenwasser lieben, braucht der Rosmarin tatsächlich Kalk. Daher kann man ihn ohne Bedenken mit frischem Leitungswasser giessen.

Das richtige Ernten

Während ich am Anfang meiner Beziehung mit meinem Rosmarin nur die oberen Ende einzelner Zweige geschnitten habe, um die wohlschmeckenden Nadeln für meine Küche zu verwenden, bin ich heute um einiges schlauer. Mittlerweile schneide ich im Sommer bei der unregelmässigen Ernte nur noch ganze Zweige ab – wie oben beschrieben, 2-3 cm über den verholzten Enden. Ausserdem gehe ich um einiges systematischer vor und schneide nicht mehr wild drauf los. Stattdessen schneide ich rund um die Pflanze herum und entnehme ab und zu auch in der Mitte vereinzelte Zweige. Dadurch soll er eine gleichmässige Form behalten. Gut, das hat jetzt letztes Jahr noch nicht so gut geklappt, aber der nächste Sommer kommt und da mache ich es besser!

Vertrockneter Rosmarin

Gelb verfärbte Nadeln sind ein Zeichen für zu viel Nässe und falsches Giessen. Der Rosmarin sieht dann vertrocknet aus und man wird dazu verführt noch mehr zu Wässern. Sollte man nicht. Wenn er seine Nadeln verliert und gelb wird, ihr ihn aber noch retten wollt, müsste man ihn ausgraben, die verfaulten und krank ausschauenden Wurzeln mit einem scharfen Messer entfernen und den Wurzelballen mit einem Präparat behandeln. Danach in frischer Erde neu einpflanzen und hoffen, dass er überlebt.

Verholzter Rosmarin

Was machen, wenn schon alles zu spät ist? Auch diese Erfahrung wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Wenn schon nicht bei meinem Rosmarin, dann doch bei meinem Lavendel. Da Lavendel und Rosmarin ähnliche Anforderungen haben und auch – so wie die meisten langjährigen Kräuter – gerne zum Verholzen neigen, erfahrt ihr in meinem nächsten Bericht, wie ich versuche meinen kleinen Lavendel vor dem Tod durch Verholzen zu retten.

Rosmarin richtig verarbeiten

So! Der Rückschnitt ist getan und ich habe ganz, ganz viele grüne Zweige auf meinem Tisch liegen.

Natürlich schmeckt Rosmarin am besten frisch vom Strauch, dann ist es übrigens auch egal, wann am Tag man ihn erntet. Nach dem Rückschnitt habe ich jedoch so viele Nadeln übrig, dass es sich lohnt zu schauen, was man damit machen kann. Es gibt verschiedene Optionen:

  1. Wegschmeissen.
    Geht gar nicht! Wäre viel zu schade!
  2. Einfrieren.
    Rosmarin ist einer der wenigen Kräuter, der seine Aromen nicht verliert, wenn man ihn einfriert. Doch auch wenn er sich bis zu einem Jahr in der Tiefkühle hält, sollte man ihn innerhalb von drei Monaten aufbrauchen, da er danach etwas von seinem Geschmack verliert. Zum Einfrieren einfach die ganzen Zweige abwaschen und portionsweise in Gefrierbeutel stecken. Dadurch, dass er noch nicht zerkleinert ist, behält er die meisten Aromen. Beim späteren Auftauen kann man dann die Nadeln ganz einfach vom Zweig entfernen und zerkleinern.
  3. Trocknen.
    Die Variante, für die ich mich entschieden habe. Und hier gibt es einen mega coolen Trick, den ich euch nicht vorenthalten möchte: Rosmarin kann man tatsächlich im Backofen trocknen! Ich habe den Backofen auf maximal 50 Grad eingestellt und einen Kochlöffel in die Tür geklemmt, so dass die Feuchtigkeit entweichen kann. Dann den Rosmarin abgewaschen und in den Backofen gelegt. Jede Stunde habe ich ihn gedreht. Nach 4 Stunden war der Rosmarin vollständig getrocknet und ich konnte easy die Nadeln von den Zweigen entfernen. Dann habe ich ihn mit einem Mörser zerkleinert und in einen luftdichten Behälter gefüllt.
    Und nun bin ich stolze Besitzerin meines eigenen selbst gemachten Gewürzes 🙂

Jetzt gilt es nur noch zu hoffen, dass ich beim Rückschnitt nicht ganz so viel falsch gemacht habe und mein Rosmarin auch dieses Jahr kräftig austreibt! We will see…

Auf bald!
Sarah

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10 Gedanken zu “Rosmarin schneiden

  1. Tucki schreibt:

    Sehr interessanter Beitrag. Wir haben uns gerade eine neue Rosmarinpflanze zugelegt, da die alte aufgrund zu starken Rückschnitts den Winter nicht überlebt hat. 😦 Zukünftig werde ich deine Tipps für den Schnitt befolgen! 🙂 LG, Antje

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    • Sarah schreibt:

      Hi Antje, ja es sieht halt immer so einfach aus, dabei ist es echt schwer den richtigen Moment zu erwischen. Wenn du den nächsten Rosmarin, der bei dir Einzug hält, aber nur im Frühjahr schneidest und gar nicht erst im Herbst, wird er es dir hoffentlich zu danken wissen 😊 viel Erfolg!!!

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      • schmoddd schreibt:

        Ich habe den Rosmarin schlauerweise im Winter zurück geschnitten und zwar nicht zu knapp. Dabei wollte ich doch nur bissl Ordnung machen und habe mir gar nichts dabei gedacht. Eigentlich habe ich damit sogar 2 Rosmarins zerstört. Nächstes Mal bin ich schlauer. Danke für die Infos!

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      • Sarah schreibt:

        Gern geschehen! Ich hoffe, es hilft, wenn du bei deinem nächsten Projekt Rosmarin Fragen hast, meld‘ dich gerne! Vielleicht kann ich dir ja helfen 🙂 Viel Spass!

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